Sachverständiger bei der Probenahme in einem Altbau

Fachwissen

Schadstoffe im Gebäude

Welche Gefahrstoffe in Gebäuden stecken, woran man sie erkennt und warum das Baujahr entscheidend ist.

Viele Gebäude, die zwischen 1950 und 1993 errichtet wurden, enthalten Baustoffe, die damals wegen ihrer guten Materialeigenschaften geschätzt waren – und sich Jahrzehnte später als gesundheitsschädlich oder krebserregend herausgestellt haben. Solange diese Materialien fest gebunden und unbeschädigt sind, geht von ihnen oft keine akute Gefahr aus. Kritisch wird es bei Sanierung, Umbau oder Rückbau, weil dabei Fasern und Stäube freigesetzt werden können.

Deshalb gehört zu jedem gut geplanten Projekt eine sach- und fachkundige Vorerkundung, in der verdächtige Materialien identifiziert und – im Zweifel – im Labor untersucht werden. Das schafft Rechtssicherheit und schützt Bewohner, Handwerker und Umwelt.

Neue Gefahrstoffverordnung seit Dezember 2024

Bauherren und Auftraggeber müssen ausführenden Firmen alle bekannten Informationen zu möglichen Schadstoffbelastungen weitergeben – besonders bei Gebäuden, die vor dem 31. Oktober 1993 errichtet wurden. Für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen gilt zudem ein „Ampel-Modell“, das nach geringem, mittlerem und hohem Risiko unterscheidet. Eine dokumentierte Vorerkundung ist damit wichtiger denn je.

Auf einen Blick

Wo Schadstoffe im Gebäude stecken

Diese schematische Übersicht zeigt, in welchen Bauteilen typische Gebäudeschadstoffe vorkommen – vom Dach über Fassade und Fugen bis in den Keller. Sie ersetzt keine Untersuchung, hilft aber, Verdachtsbereiche einzugrenzen.

Infografik: mögliche Schadstoffvorkommen in Gebäuden – Fundorte von Asbest, PCB, PAK und weiteren Gefahrstoffen vom Dach bis zum Keller
Typische Schadstoffvorkommen in Gebäuden – schematische Darstellung.

Orientierung

Schadstoffe nach Baujahr

Das Baualter gibt erste Hinweise darauf, welche Stoffe verbaut sein könnten – eine Untersuchung ersetzt es nicht, grenzt den Verdacht aber ein.

bis ~1960

Asbest im Aufwind, erste Holzschutzmittel (DDT, Lindan), Formaldehyd in Leimen, Bleifarben und Bleirohre.

1960 – 1980

Hochphase von Asbest und künstlichen Mineralfasern (KMF), PCB in Fugendichtungen und Anstrichen, PCP/Lindan in Holzschutz, PAK in Teerklebern und Dachpappen.

1980 – 1993

Auslaufende Asbestverwendung bis zum Verbot 1993, weiterhin KMF und PVC-Weichmacher, FCKW in Dämmschäumen.

nach 1993

Asbest verboten; alte KMF-Typen bis 2000 noch verbaut. Restbestände und Importprodukte bleiben ein Restrisiko – Radon und Schimmel sind altersunabhängig.

Überblick

Typische Gebäudeschadstoffe

bis 1993

Asbest

Faserförmiges Mineral mit hoher Festigkeit und Hitzebeständigkeit. Fest gebunden in Faserzement (Dach-/Fassadenplatten), Fliesenklebern, Spachtelmassen und Putzen; schwach gebunden in Nachtspeicheröfen, Dichtungsschnüren und alten Bodenbelägen.

1960 – 2000

Künstliche Mineralfasern (KMF)

Alte Glas- und Steinwolle als Dämmung, Akustikdecke oder Brandschutz. Fasern vor dem Jahr 2000 gelten teilweise als krebsverdächtig und lassen sich von neuerer, unbedenklicher Mineralwolle oft nur im Labor unterscheiden.

1950 – 1978

PCB

Polychlorierte Biphenyle in dauerelastischen Fugendichtungen, Anstrichen und Beschichtungen sowie in Kondensatoren alter Leuchtstofflampen. Können über Jahre an die Raumluft abgegeben werden.

Teerprodukte

PAK

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe stecken in teerhaltigen Parkettklebern, Dachpappen und Bitumenprodukten sowie in Teerkork-Dämmungen. Der Leitstoff Naphthalin ist am typischen Geruch erkennbar.

1950 – 1990

Holzschutzmittel (PCP, Lindan, DDT)

In behandelten Dachstühlen, Balken und Täfer. Werden langsam an Raumluft und Hausstaub abgegeben; ein muffiger Geruch kann ein Hinweis sein. Oft auch bei unauffälliger Holzoberfläche stark belastet.

seit 1920er

Formaldehyd & VOC

Aus Klebharzen von Spanplatten, Sperrholz und Faserplatten sowie aus Lacken. Reizt Augen und Atemwege; wird gemeinsam mit weiteren flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) in der Raumluft gemessen.

Blei, Cd, Cr, Hg

Schwermetalle

Blei in alten Farbanstrichen und Wasserleitungen, Cadmium und Chrom in Farbpigmenten, Quecksilber in alten Geräten. Aufnahme meist über belasteten Staub – besonders relevant in bewohnten Räumen.

altersunabhängig

Radon

Natürliches radioaktives Edelgas aus dem Untergrund. Gelangt über undichte Kellerböden, Risse und Leitungsdurchführungen in Innenräume und kann sich in schlecht belüfteten Räumen anreichern.

Feuchte

Schimmel

Entsteht bei Feuchtigkeit, Wasserschäden oder unzureichendem Lüften. Sporen reizen die Schleimhäute und können Allergien oder Asthma auslösen – oft ein Hinweis auf ein bauphysikalisches Problem.

Alte Asbestzement-Wellplatten und Faserzement-Fassade

Mit bloßem Auge nicht sicher erkennbar

Rund 95 % aller Asbestprodukte wurden aus Weißasbest (Chrysotil) hergestellt. Faserbündel sind manchmal sichtbar – eine eindeutige Bestimmung gelingt aber nur im Labor. Gerade bei Spachtelmassen, Putzen und Klebern ist der Schadstoff oft sehr ungleichmäßig verteilt.

  • Verdachtsflächen nicht anbohren, abschleifen oder aufbrechen
  • Bei Unsicherheit Bereich sichern und Fachleute hinzuziehen
  • Proben luft- und staubdicht verpacken lassen
Laboranalyse einer Baustoffprobe unter dem Mikroskop

Analyse in akkreditierten Fachlaboren

Baumaterialien und Raumluftproben werden mit modernen Verfahren untersucht – je nach Fragestellung mit dem passenden Analyseverfahren. So erhalten Sie belastbare Ergebnisse als Grundlage für Ihr Gutachten.

REM

Rasterelektronen­mikroskopie – Asbest & Fasern

GC-MS

Gaschromatographie – PCB, PAK, Holzschutz

ICP-OES / ICP-MS

Schwermetalle

3–10

Werktage bis zum Ergebnis

Woran erkennen Sie den Bedarf?

Wann eine Untersuchung sinnvoll ist

Vor Kauf einer Immobilie mit Baujahr 1950–1993
Vor Sanierung, Umbau oder Abbruch
Bei Verdacht auf asbesthaltige Materialien
Bei gesundheitlichen Beschwerden ohne klare Ursache

Einsatzgebiet

Sachverständiger für Gebäudeschadstoffe in Süddeutschland

Wir untersuchen Gebäude in ganz Bayern und Baden-Württemberg. Die Karte zeigt das Einsatzgebiet; Orte mit eigener Seite sind verlinkt.

Alle Regionen und Orte im Überblick

Objekt außerhalb von Bayern und Baden-Württemberg? Bei größeren Projekten und Portfolios sind wir auch darüber hinaus tätig – sprechen Sie uns an.

Klarheit schaffen

Verdacht auf Schadstoffe in Ihrem Gebäude?

Schildern Sie uns kurz Objekt und Baujahr – wir sagen Ihnen, welche Untersuchung sinnvoll ist und was sie kostet.

VDI-zertifiziert Antwort in der Regel binnen 1 Werktag Akkreditierte Fachlabore